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2007
August
27
von Maertl, in Kategorie Computer, Allgemein

Man hätte es sich ja schon eher denken können, dass es sich nicht wirklich lohnt, sein Besteck nach jedem Essen wegzuschmeißen. Die Japaner haben sich das bisher geleistet. Die 127 Millionen Einwohner haben im Schnitt 200 Paar Einwegstäbchen aus Holz im Jahr verbraucht - das macht insgesamt rund 51 Milliarden Stäbchen.

Angesichts einer Hitzewelle und akuten Energiemangels (nicht zuletzt wegen des Ausfalls des durch ein Erdbeben lahm gelegten AKWs Kashiwazaki-Kariwa) beginnt jetzt aber ein Umdenken. Nein, auf Einweg-Stäbchen will man nicht verzichten, für 90 Prozent des Esswerkzeugs werden ohnehin schon chinesische Wälder abgeholzt. Stattdessen will man die Stäbchen einsammeln und zu Biosprit verarbeiten. Im ganzen Land sollen Sammelboxen (aus Holz?) aufgebaut werden, berichtet Spiegel Online. Auf die Idee, Mehrweg-Stäbchen oder gar westliches Besteck zu verwenden, ist offenbar keiner gekommen.

Wer mir den Sinn von virtuellem Umweltschutz erklären kann, möge bitte die Kommentar-Funktion dieses Blogs ausführlich nutzen. Jedenfalls hat der WWF jetzt in der Parallelwelt “Second Life” ein “Conservation Island” eingerichtet. Da kann man dann dafür sorgen, dass auf einer virtuellen Insel eine möglichst unberührte Natur erhalten bleibt. Toll. Wenn man das 40 Stunden lang gemacht hat, hat der Second Life-Avatar dann allerdings ganze 10 Kilogramm CO2 produziert, wie die Fachhochschule Eberswalde ausgerechnet hat - bei null realem Nutzen. Dafür könnte man dann ja wieder an einem Aufforstungsprojekt teilnehmen, so der Vorschlag der FH - die damit ebenso wie die Japaner beweist, dass man enormen Aufwand betreiben kann, um am Ende mit der gleichen Klima-Bilanz dazustehen wie zuvor. Achtung, folgender Vorschlag ist offenbar vollkommen revolutionär: Man könnte ja auch aufforsten, realen Umweltschutz betreiben und auf ein Second Life-Ich verzichten.

2007
August
26
von haraldg, in Kategorie Allgemein

Wenn jemand Führungskraft werden will und so richtig weit nach oben möchte, dann muss er Trainings machen. Das macht man bei externen Firmen, die gerne viel Geld dafür nehmen. Im Trend sind sogenannte „Outdoortrainings für Manager“, wo , Zitat: „…Ihre Manager in einem Change Management auf neue Ziele eingenordet werden“. Das könnte man günstiger haben. Man kaufe sich einen Aerorider und lasse die angehenden Führungskräfte vier Tage lang auf sich alleine gestellt fahren, denn:

Belastbarkeit = mit einer 1:100.000er Karte durch die Großstadt
Durchhaltevermögen = bei 35 Grad im Plexiglaskäfig eine 10 prozentige Steigung 2 km radeln
Verhalten in extremen Stresssituationen: Mit dem EcoRider auf dem Feldweg in den Graben fahren und wieder flott machen.
Zielorientierung/Termindruck = auch wenn der Akku leer ist, das vorgesehene Etappenziel strampelnd erreichen.

Ansonsten war die Etappe von Wurzen nach Bitterfeld heute ein Genuss. Nicht ganz so heiß, kaum Steigung, nur etwas Gegenwind, aber: Schweinezucht. Zum Beispiel in Wannewitz bei Bitterfeld (siehe Fotos auf flickr). Eine Halle ohne Fenster, die sich „Schweinefarm“ nennt. Und der Gestank ist höllisch. Arme Schweine. Ankunft in Bitterfeld im Hotel Central. Mich wunderte ja schon, dass sie bei der Buchung sagten, das Hotel ist nicht besetzt und die Schlüssel seien im Versteck XY. Aber dass ich alleine bin in einem Hotel mit 33 Zimmern hätte ich mir nicht gedacht. Es ist NIEMAND da – nur der Sun EcoRider und ich im Geisterhotel. Ich habe heute heute Abend vegetarische Pizza und Gurkensalat gegessen, wegen der Schweinezucht und so. Und Adriano Celentano singt „Azzuro“.

2007
August
25
21:44 Uhr

Kilokalorien

von haraldg, in Kategorie Sachsen, On the Road again

Gut, gestern hat mir Martin den Sun Ecorider in die Hand gedrückt und sich in den Zug nach Hause verabschiedet. Mit Recht - aber dazu später. Ich muss dazu sagen: ich bin nie Probe gefahren und habe drei volle Tage vor mir - mit 180 km Strecke. Los geht es in Dresden – erstes Etappenziel ist Meißen an der Elbe. Nicht weit, also eine nette Teststrecke. Das Wetter ist klasse. Es wird auch eine Genusstour, der Elberadweg führt genau entlang dieser Strecke. Zum Üben genau das Richtige.

Ausgeschlafen geht es am nächsten Tag los: Müsli zum Frühstück, Akkus voll geladen. Das Ziel ist ca. 68 km entfernt. Ach ja, zum Thema Energie: Ich habe mein Pulsmessgerät vom Joggen angelegt und möchte wissen wie viel Energie ich eigentlich so verbrauche, um dieses Ding zu fahren. Wetter ist klasse mit 27 Grad – nur könnt ihr euch vorstellen, wie es sich bei dieser Temperatur in einem Plexiglaskäfig (=EcoRider) anfühlt (Anmerkung von Martin: Der Honig-Aufguss ist sehr zu empfehlen…)?

Der erste Weg führt nach oben, die Elbe hat sich ca. 50 m tief in die Landschaft eingeschnitten. Mit Muskelkraft lässt sich das 80 kg schwere Vehikel (ohne meine Wenigkeit) nicht alleine bewegen. Also Gasgeben. Mit dem Ergebnis, dass ein Strich auf der Stromskala mit sechs Strichen gleich mal bis oben flöten geht. Und das nach 5 km.

Oben angelangt werden die Landkarten zum Problem: Im Maßstab 1:100.000 tut man sich als „Fahrrad“-Fahrer im Ballungsgebiet schwer. Und ich dachte, als studierter Geograf hätte ich ein Gefühl dafür (Anmerkung von Martin: Im Maßstab 1:150.000 orientiert man sich übrigens am Besten gleich an der Sonne oder am Moosbewuchs der Bäume). Aber die Menschen in Sachsen sind so freundlich und hilfsbereit, dass man kaum eine Karte benötigt. Endlich den Weg gefunden, geht es gut voran. Leider gibt es fast in jedem kleinen Ort Kopfsteinpflaster – ich hasse Kopfsteinpflaster! Und dann führt mich die vorgegebene Route auf einen Feldweg. Dort kippe ich gleich mal in den Graben.

Glücklicherweise habe ich mir mit Tape ein kleines Radio ins Cockpit geklebt. Und mit den „Red Hot chilli Peppers“ im Ohr bekomme ich den EcoRider wieder flott. Der Puls zeigt 186. Ein interessantes Phänomen stellt sich ein: ich fange an, mit mir selbst zu reden und mich zu motivieren. Ist ja keiner da. Und es klappt. Nach 75 km (mit Umwegen) erreiche ich mein Ziel: Wurzen, dem Geburtsort des Dichters Joachim Ringelnatz, der in seiner Jugendzeit übrigens als Schiffsjunge durch die Welt reiste. Ach ja, zum Thema Energie: nach 7 Stunden, 36 Min. Sun EcoRider fahren habe ich 3840 kcal verbraucht. Martin hat seinen Urlaub verdient (Anmerkung von Martin: Oh ja, und einen kleinen Tipp für die sonntägliche Tour über Bitterfeld hat er auch noch: Es seufzt der positive Held, weil ihm der Weg so bitter fällt…).

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