Windräder machen mir Angst. Gut, 45 Prozent des durch erneuerbare Energieträger erzeugten Stroms stammen aus der Windkraft und Off-Shore-Windparks sollen diese Zahl noch erhöhen. Aber: Man muss sich ja nicht unbedingt drunter stellen. Bis auf ein dumpfes “Flap-Flap” hört man zwar recht wenig und wenn man wie ich einen verregneten Tag erwischt, ist auch der Schattenschlag kein Problem. Trotzdem: Windräder machen mir ganz einfach Angst, weil sie so groß sind. Der Rotordurchmesser liegt zwischen 40 und 90 Metern. NEUNZIG!!
Da wurde mir schon etwas mulmig als ich nahe Bleiwäsche im Sauerland in einem Windpark stand und sich das Äquivalent eines halben Fußballfeldes über mir drehte. Da möchte man wahrlich nicht unten stehen, wenn so ein Ding mal runter fällt. Einen kleinen Größenvergleich mit dem EcoRider gibt es übrigens hier.
Die Windräder hatten gestern ganz schön zu tun, denn windig war’s in der Tat als ich satte 85 bergige Kilometer von Paderborn nach Willingen zurücklegte. Und wer schon mal mit dem Fahrrad gegen Windböen angefahren ist, weiß, wieviel Energie darin steckt. Die Wasserkraft ist in Deutschland wohl nicht mehr sehr ausbaufähig, zumindest kann kaum mehr vom Himmel fallen, als es das gestern getan hat.
Wer sich gefragt hat, wie schnell der EcoRider fahren kann: Gestern habe ich bei noch trockener Strecke und einer langen, geraden Abfahrt immerhin 58 km/h geschafft. Da fühlt man sich aber auch schon wie beim Seifenkistenrennen. Oder wie mit dem Trabi auf der Autobahn.
Endlich unterwegs. Zwar nur im Heimstettener Gewerbegebiet, aber immerhin. Mit einer liebevoll für mich gezeichneten Skizze in der Hand navigiere ich zwischen den Lagerhallen umher. Auf langen Geraden und in scharfen Kurven teste ich, wo die Grenzen des Gefährts und meiner Reaktionsfähigkeit sind.
Dann steigt das Adrenalin. Eine RICHTIGE Straße. Vorsichtig taste ich mich an die Abzweigung heran. Mächtige Lkws rauschen vorbei. Jetzt wird es ernst. Gut umgeschaut, kurz Gas gegeben und los geht’s. Eigentlich gar nicht so schwer. Bis jetzt.
Doch da, ein monströser Lkw taucht im Seitenspiegel auf. Wird er mich platt machen, aus dem Weg rammen oder nur ganz schnöde schneiden? Weit gefehlt. In der Tat. Denn der Lkw überholt mich in großem Bogen. Ein entgegenkommender Lkw-Fahrer nickt mir sogar anerkennend zu. Grüß dich, Kollege!
So lässt sich’s aushalten. Links und rechts rauschen die Felder vorbei, vorne strahlt einen das Alpenpanorama an und neben mir bleiben die Fußgänger ungläubig stehen. Nur Hunde wissen nicht, wie sie mit dem komischen Gefährt umgehen sollen. Ein Heimstettener Kampfkläffer wird vom resoluten Frauchen mit einem kräftigen Ruck an der Leine in der Luft zurückgerissen und so vom Freitod abgehalten.
Apropos: Kieswege sollte ich in Zukunft meiden, das merke ich schnell. Und Schlaglöcher sind auch nicht unbedingt mit Höchstgeschwindigkeit zu nehmen. Doch die Entschädigung für den wunden Hintern folgt sofort: Kein Porsche-Fahrer findet so viel Beachtung, wenn er am Heimstettener See vorfährt, wie ich mit meinem giftgrünen Flitzer.
Andreas von Bechtolsheim ist einer der wenigen, die ich den EcoRider zerlegen lassen würde. Er würde es vermutlich schaffen, aus den gleichen Bauteilen ein noch besseres Gefährt zusammenzubauen. Nicht nur, weil er 1982 einer der vier Sun-Gründer war. Eher, weil er schon als Sechsjähriger den Kassettenrekorder seines Vaters auseinandergenommen hat. Gut, das habe ich auch. Aber während bei uns die Teile noch verstreut im Keller herumfliegen, funktionierte der Bechtolsheimsche Apparat schon bald wieder wie zuvor. Respekt.
Umso schöner, dass sich dieser Mann, der lieber zur Tat schreitet (Zitat: “Meine erste Lötstelle roch einfach magisch”) als seine Energie in Meetings zu vergeuden, am Rande der International Supercomputing Conference in Dresden Zeit genommen hat, den EcoRider zu signieren und Probe zu sitzen. Bei der nächsten Begegnung mit dem EcoRider werde ich erst mal tief einatmen, um herauszufinden, wie Erfolg riecht. Mit so viel positiver Energie im Gepäck kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.
Und auch ganz persönlich macht mir der “Sun-Mitarbeiter Nr. 1″ Hoffnung: Auch aus Lehrerkindern und Landeiern kann also was werden…