Bin ich jetzt im Ruhemodus, Leerlauf oder auf Stand-by? Egal, jedenfalls bin ich in Würzburg und freue mich auf meine morgige Fahrt nach Miltenberg. Ob sich unbenutzte Computer auf zukünftige Rechenprozesse freuen, ist mir ziemlich egal, aber wie viel Energie sie in ihrer Erholungsphase benötigen, interessiert mich dann doch.
Besonders “faule” (also energiesparende) Computer erkennt man am Qualitätssiegel “Energy Star”, das von der Deutschen Energie-Agentur (dena) vergeben wird. Laut Channelpartner müssen sie über einen voreingestellten Energiesparmodus verfügen. Solche PCs verbrauchen im ausgeschalteten Zustand nicht mehr als zwei Watt, außerdem schaltet sich nach 15 Minuten Nichtstun der Bildschirm ab, nach 30 Minuten das ganze System. Warum sollte man bei Computern auch nicht nachmachen, was sich bei den Menschen bewährt hat?
Ich will den IT-Entscheidern jetzt mal zu Gute halten, dass sie wohl so viel arbeiten, dass sich ihr Computer nie abschaltet. Jedenfalls hören sie bei ihren Entscheidungen leider weniger auf ihr ökologisches Gewissen als auf ihre finanziellen Interessen. Allerdings spricht auch hier viel für Green-IT. So meint etwa die Münchner Experton Group, dass sich ein Umstieg schon allein aus wirtschaftlichen Gründen lohnt. Ein Fallbeispiel zeigt, dass sich der Infrastrukturwandel eines mittelständischen Unternehmens schon nach 32 Monaten ammortisiert. Sollten die Strompreise in der Zeit steigen, würde sich der Umstieg noch früher lohnen. Man hätte also nicht nur ein hübsches Qualitäts-Sternchen auf den Rechnern, sondern auch mehr Geld auf dem Konto.
Andreas von Bechtolsheim ist einer der wenigen, die ich den EcoRider zerlegen lassen würde. Er würde es vermutlich schaffen, aus den gleichen Bauteilen ein noch besseres Gefährt zusammenzubauen. Nicht nur, weil er 1982 einer der vier Sun-Gründer war. Eher, weil er schon als Sechsjähriger den Kassettenrekorder seines Vaters auseinandergenommen hat. Gut, das habe ich auch. Aber während bei uns die Teile noch verstreut im Keller herumfliegen, funktionierte der Bechtolsheimsche Apparat schon bald wieder wie zuvor. Respekt.
Umso schöner, dass sich dieser Mann, der lieber zur Tat schreitet (Zitat: “Meine erste Lötstelle roch einfach magisch”) als seine Energie in Meetings zu vergeuden, am Rande der International Supercomputing Conference in Dresden Zeit genommen hat, den EcoRider zu signieren und Probe zu sitzen. Bei der nächsten Begegnung mit dem EcoRider werde ich erst mal tief einatmen, um herauszufinden, wie Erfolg riecht. Mit so viel positiver Energie im Gepäck kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.
Und auch ganz persönlich macht mir der “Sun-Mitarbeiter Nr. 1″ Hoffnung: Auch aus Lehrerkindern und Landeiern kann also was werden…
Auch in den USA gibt es Sweatshops. Wegen Engpässen in der Energieversorung mussten bei der US-Abhörbehörde NSA (National Security Agency) schon im vergangenen Sommer die Klimaanlagen zeitweise ausgeschaltet werden. Im Winter wurde dafür die Heizung abgedreht, manche Mitarbeiter saßen mit Handschuhen an ihren Hochleistungsrechnern.
Seit Jahren gibt es in “Crypto City” im US-Bundesstaat Maryland Schwierigkeiten mit der Klimatisierung, der Energieversorgung und den veralteten Räumlichkeiten. Anfang 2000 mussten die Datensammler wegen eines Totalausfall des Netzwerks das Ausspionieren von E-Mails, Telefongesprächen und Faxen für fast fünf Tage einstellen. Zu Beginn dieses Sommes kam es wieder zu stundenlangen Stromausfällen, wie die “Baltimore Sun” berichtet.
Grund: Die NSA hatte zu wenig berücksichtigt, dass die neuen Rechner ungleich mehr Hitze erzeugen und Energie verbrauchen als ihre Vorgänger. Zwei neue Supercomputer konnten 2006 aus Angst vor einem Netzwerkkollaps gar nicht erst hochgefahren werden. Die Einführung neuer Spionagetechnik scheitert immer wieder an den energiefressenden Kühlsystemen.
Es ist wohl höchste Zeit, energiesparende Server zu entwickeln, wenn sogar ein milliardenschwerer Nachrichtendienst wie die NSA Probleme mit der Energieversorgung und der Rechnerkühlung hat. Schließlich sollen uns unsere amerikanischen Freunde auch in Zukunft noch klar und deutlich hören können.