August
25
Kilokalorien
Gut, gestern hat mir Martin den Sun Ecorider in die Hand gedrückt und sich in den Zug nach Hause verabschiedet. Mit Recht - aber dazu später. Ich muss dazu sagen: ich bin nie Probe gefahren und habe drei volle Tage vor mir - mit 180 km Strecke. Los geht es in Dresden – erstes Etappenziel ist Meißen an der Elbe. Nicht weit, also eine nette Teststrecke. Das Wetter ist klasse. Es wird auch eine Genusstour, der Elberadweg führt genau entlang dieser Strecke. Zum Üben genau das Richtige.
Ausgeschlafen geht es am nächsten Tag los: Müsli zum Frühstück, Akkus voll geladen. Das Ziel ist ca. 68 km entfernt. Ach ja, zum Thema Energie: Ich habe mein Pulsmessgerät vom Joggen angelegt und möchte wissen wie viel Energie ich eigentlich so verbrauche, um dieses Ding zu fahren. Wetter ist klasse mit 27 Grad – nur könnt ihr euch vorstellen, wie es sich bei dieser Temperatur in einem Plexiglaskäfig (=EcoRider) anfühlt (Anmerkung von Martin: Der Honig-Aufguss ist sehr zu empfehlen…)?
Der erste Weg führt nach oben, die Elbe hat sich ca. 50 m tief in die Landschaft eingeschnitten. Mit Muskelkraft lässt sich das 80 kg schwere Vehikel (ohne meine Wenigkeit) nicht alleine bewegen. Also Gasgeben. Mit dem Ergebnis, dass ein Strich auf der Stromskala mit sechs Strichen gleich mal bis oben flöten geht. Und das nach 5 km.
Oben angelangt werden die Landkarten zum Problem: Im Maßstab 1:100.000 tut man sich als „Fahrrad“-Fahrer im Ballungsgebiet schwer. Und ich dachte, als studierter Geograf hätte ich ein Gefühl dafür (Anmerkung von Martin: Im Maßstab 1:150.000 orientiert man sich übrigens am Besten gleich an der Sonne oder am Moosbewuchs der Bäume). Aber die Menschen in Sachsen sind so freundlich und hilfsbereit, dass man kaum eine Karte benötigt. Endlich den Weg gefunden, geht es gut voran. Leider gibt es fast in jedem kleinen Ort Kopfsteinpflaster – ich hasse Kopfsteinpflaster! Und dann führt mich die vorgegebene Route auf einen Feldweg. Dort kippe ich gleich mal in den Graben.
Glücklicherweise habe ich mir mit Tape ein kleines Radio ins Cockpit geklebt. Und mit den „Red Hot chilli Peppers“ im Ohr bekomme ich den EcoRider wieder flott. Der Puls zeigt 186. Ein interessantes Phänomen stellt sich ein: ich fange an, mit mir selbst zu reden und mich zu motivieren. Ist ja keiner da. Und es klappt. Nach 75 km (mit Umwegen) erreiche ich mein Ziel: Wurzen, dem Geburtsort des Dichters Joachim Ringelnatz, der in seiner Jugendzeit übrigens als Schiffsjunge durch die Welt reiste. Ach ja, zum Thema Energie: nach 7 Stunden, 36 Min. Sun EcoRider fahren habe ich 3840 kcal verbraucht. Martin hat seinen Urlaub verdient (Anmerkung von Martin: Oh ja, und einen kleinen Tipp für die sonntägliche Tour über Bitterfeld hat er auch noch: Es seufzt der positive Held, weil ihm der Weg so bitter fällt…).


NACH OBEN
