Heute wird es heiß. Und der EcoRider hat keine Klimaanlage. Nur zwei kleine Ventilatoren, deren einzige Funktion die zuverlässige Leerung der Akkus ist. Dabei hätte ich doch zwei effektive Windmaschinen haben können, wenn der Hersteller sich rechtzeitig an das Mulfinger Unternehmen ebm-papst gewendet hätte.
Die stellen nämlich so energiesparende EC-Ventilatoren her, dass ich auch die wohl scherzhaft als “Hohenloher Ebene” betitelte Landschaft (eine Einheimische nannte meine Route “Buggelesstreck”) gut gekühlt und mit vollen Akkus überstanden hätte. Allerdings war es ja wie gesagt sogar so windig, dass ich mit eingebauten Windrädern sogar noch Energie hätte gewinnen können.
Die Vorteile der EC-Motoren sind offenkundig. Sie benötigen 30 Prozent weniger Energie als herkömmliche Motoren und erhitzen sich dabei auch viel weniger. Beim Einsatz an Kühltheken würde durch die Erhitzung von herkömmlichen Motoren noch zusätzliche Energie verloren gehen. In einem kleinen Supermarkt mit 40 Ventilatoren in den Kühltheken könnten durch die energiesparende EC-Technologie 3,4 MWh im Jahr gespart werden, wie ein Rechenbeispiel von ebm-papst besagt. Das entspräche einem Einsparpotenzial von 67 Prozent. Das Problem: Solche Ventilatoren sind erheblich teurer als andere - Kosten, die allerdings oft schon nach nicht einmal einem Jahr wieder drin sind (Fotos vom Besuch bei ebm-papst gibt es hier).
Na gut, so lange bin ich ja dann doch nicht unterwegs. Vielleicht habe ich deswegen keine solchen Ventilatoren. Aber wenn ich schon während der Fahrt keine Abkühlung bekommen kann, kann ich mich wenigstens für ein Stündchen ins Schwimmbad verdrücken, dachte ich mir gestern im unterfränkischen Abtswind. Nur: Wer denkt bei so einer Tour schon an eine Badehose? Dachte sich wohl auch der Bademeister und hatte Mitleid mit mir. Ausgestattet mit einem großen Handtuch und der persönlichen Badehose des Bademeisters, konnte ich mich so doch noch ins Wasser stürzen. Und feststellen: 22 Grad können ganz schön kalt sein.
Wenn das der Klimawandel ist, sollte jemand was tun. Schnell. Möglichst noch vor Ende meiner Tour. Gestern wurde ich nämlich förmlich von der Strecke geblasen, so stürmisch war es. Ein Glück, dass ich nicht nach Westen musste. Gegen den Wind hätte ich wohl nur die Hälfte der 82 Kilometer ins unterfränkische Rödelsee geschafft. Ich habe ja von jemandem gehört, der gestern darauf verzichtet hat, mit dem Auto von Mainz nach München zu fahren, weil es zu windig war. Mit dem Auto! Da kann man sich vorstellen, wie es mich im EcoRider durchgeschüttelt hat. Seit gestern darf man mich wohl offiziell “den Gegenlenker” nennen. Jedenfalls war diesmal wirklich über jedes der 200.000 Gramm, die ich durch die Gegend fahre, dankbar.
Angeblich wird der Klimawandel auch für Unternehmen immer wichtiger (Spötter würden sagen: prestigeträchtiger). Auf der sozialen Agenda der Unternehmen ist der Klimawandel vom 8. Platz im Jahr 2002 bis auf Rang vier vorgerückt. Behauptet zumindest eine Umfrage der RSM Erasmus University unter 200 großen europäischen Unternehmen. Auf Ökostrom ist deswegen trotzdem kaum ein Unternehmen umgestiegen. Öko klingt zwar gut, ist aber immer noch zu teuer, ist das häufigste Argument.
Dabei stimmt das inzwischen gar nicht mehr. Für viele Verbraucher lohnt sich der Umstieg, wie ein Preisvergleich der Berliner taz zeigt. Allerdings sind Einzelgänger im Nachteil. Während Singlehaushalte mit einem Ökostromtarif in neun Städten besser dastehen als mit dem Standardtarif des lokalen Stromanbieters, können Familien und WGs gleich in 14 Städten vom Wechsel profitieren. Damit hinter Ökostrom aber nicht gleichzeitig die vermeintlich umweltfreundliche Atomenergie steht, sollte man nur Anbietern vertrauen, die das Aktionsbündnis “Atomausstieg selber machen” empfiehlt, meint die taz. Im Moment sind das die Elektrizitätswerke Schönau, Naturstrom, Lichtblick und Greenpeace Energy. Deren Strom bekommt man in ganz Deutschland - garantiert atomstromfrei.
Ich habe Muskelkater. In den Armen. Vom Wischen. Bei Regen beschlagen nämlich die Scheiben des EcoRiders. Von innen. Und von außen. Ununterbrochen.
Und wie habe ich mich auf diesen Tag vorbereitet? Mit Sonnencreme. Offensichtlich gehöre ich zu denen, die einzelne Sonnenstrahlen zu sorglosen Cabrio-Fahrten verleiten - und die dann die Suppe auslöffeln dürfen…
Denn sobald ich Würzburg verlassen hatte, lag der Weltuntergang vor mir. Nein, die Grenze nach Baden-Württemberg hatte ich noch nicht überschritten; aber die Wolken taten sich auf. Und wollten sich bis Bad Mergentheim nicht mehr schließen. Volle 50 Kilometer weit. Obwohl die Strecke doch so wunderschön gewesen wäre. Und kaum befahren. Und wer jetzt errät, was am Ende dieses Höllenritts, als ich das Ortschild von Bad Mergentheim passiert hatte, geschehen ist, darf sich über den Gewinn des legendären Maus-Fähnchens freuen.
Das hat jetzt nämlich endgültig ausgedient. Und ist durch einen signalroten Wimpel ersetzt worden, der mir bei der heutigen Fahrt durch die Wasserwand schon wichige Dienste geleistet hat. Kleine Kärtchen in EcoRider-Form habe ich jetzt auch dabei. Zum Verteilen. Nicht zum Schiffchen bauen.