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Kategorie "Allgemein"


2007
August
23
10:29 Uhr

Von der Rolle

von Maertl, in Kategorie Brandenburg, Etappenziele, Allgemein

In dem italienischen Film “Cinema Paradiso” jagt der kleine Salvatore, der von einer goldenen Zukunft als Filmvorführer träumt, jedem im Vorführraum herumliegenden Filmschnipsel nach. Sie sind wertvoll für ihn, in ihnen verstecken sich Träume, Sehnsüchte und große Gefühle.

Und auch Energie. Vor allem in einer ganz bestimmten Filmrolle. Denn der Filmvorführer Alfredo hat alle Kuss-Szenen, die er auf Geheiß des Dorfpfarrers herausschneiden musste, aneinander geklebt und in einer einzigen Rolle vereint, die er Salvatore vermacht. So viel geballte Energie dürfte sich sonst auf kaum einer Rolle finden.

Außer vielleicht auf denen von Odersun in Frankfurt (Oder). Deren Rollen sehen zwar ähnlich aus wie Filmrollen, sind aber nicht aus Zelluloid, sondern aus Kupfer (wenn man’s ganz genau nimmt: aus Kupfer-Indium-Disulfid, einem der besten Halbleiter). Auch diese Rollen bleiben nicht ganz, sondern werden zerschnippelt, um Energie zu liefern. Das einen Zentimeter breite Kupferband kann in beliebig langen Streifen aneinander geklebt werden, so dass man Solarzellen jeglicher Form und Größe basteln kann.

Odersuns Fabrik “Sun One” in Frankfurt (Oder) steht noch ganz am Anfang, am 19. April 2007 begann man mit der Produktion von Dünnschichtsolarzellen und -modulen. Wenn sich die Fertigung eingespielt hat, sollen die in einem Jahr hergestellten Solarzellen aber eine Ausbeute von fünf Megawatt liefern. 6.000 Kilometer Kupferband müssten dazu von der Rolle laufen.

Mit Solartechnologie kann man aber nicht nur Dächer und Solarparks bestücken. Auch dem ganz normalen Reisenden kann sie helfen. Denn wie will man sein Handy oder seinen MP3-Player aufladen, wenn man wie ich sechs Wochen in einer stromlosen Region Indiens verbringt? Oder in Griechenland eine Woche am Strand schlafen will? Oder ganz einfach Wandern geht und vorher sein Handy nicht auflädt? Nun ja, ganz einfach indem man genau so eine Tasche dabei hat, wie sie mir gestern Odersun-Vorstand Ramin Lavae Mokhtari überreicht hat (erste Bilder vom Besuch sind hier zu sehen). Bestückt mit einem flexiblen (also biegbaren) Solarmodul ist “POGO Solar” in der Lage, kleine Elektrogeräte innerhalb weniger Stunden aufzuladen. Wohl dem, der immer eine tragbare Steckdose dabei hat.

2007
August
17
von Maertl, in Kategorie Allgemein

Louis Vuitton lässt derzeit nicht nur Michail Gorbatschow an der Berliner Restmauer für schicke Handtäschchen werben, sondern überlegt sich auch, wie man die Energiekosten (und die Mitarbeiter) besser im Griff haben kann. Durch gläserne Büros soll fünfmal weniger Strom verbraucht werden, wie die österreichische Frauenzeitschrift das investigative Fachmagazin „Wienerin“ herausgefunden hat. Gleichzeitig wird wohl der Pflanzenwuchs gefördert, weil sich die Mitarbeiter einen Sichtschutz heranzüchten werden. Der CO2- und der Firmen-Haushalt danken.

Der Mann mit dem grünen Daumen ist Jean-Marc Gallot, Louis Vuittons Europamanager. Verpönt sind in Zukunft auch Plastikbecher im Büro. Prosecco-Gläser sind aber noch erlaubt. Im Gegensatz zu Täschchen-Transporten mit dem Flugzeug: Die werden durch Seetransporte ersetzt. Das verhindert nicht gleich, dass Grönland zum Hotspot wird, ist aber immerhin ein Anfang. Nur einige von tausend Zeichen, dass auch in der Geschäftswelt ein Umdenken stattfindet.

2007
August
15
von Maertl, in Kategorie Mecklenburg-Vorpommern, Etappenziele, Allgemein

Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere an den muskelbepackten Friseur, der mir einmal versichert hatte, für so eine Tour müsse man ganz schön mutig sein. Recht hatte er, denn unterwegs trifft man auf Platzregen, Hitzewellen, Stechmücken und fiese Anstiege. Oder der ein oder andere Krankheitserreger stellt sich einem in den Weg.

Einer hat mich jetzt seitlich gestreift (die Spuren sind noch auf dem EcoRider zu sehen), weshalb ich jetzt in Neubrandenburg körperlich geschwächt darnieder liege und ein eigentlich noch viel mutigeres Projekt, den BioEnergie Park „Klarsee“ in Penkun, leider nicht besuchen kann.

Aber allein die Zahlen sind beeindruckend. Der Betreiber, die Nawaro BioEnergie AG, leistet Pionierarbeit und plant Biogas-Anlagen in noch nicht gekanntem Ausmaße. In Penkun entstehen 40 standardisierte 500-Kilowatt Anlagen, insgesamt werden also 20 Megawatt erzeugt – damit könnte man 46.000 Haushalte mit Strom versorgen. Weitere Anlagen sind in Güstrow und Jocksdorf geplant.

Natürlich lassen sich über Biogas-Anlage trefflich Scherze machen. Denn wodurch werden dort Lämpchen zum Glühen und Kaffeemaschinen zum Mahlen gebracht? Unter anderem durch Gülle, und zwar 60.000 Tonnen davon im Jahr. In Mecklenburg-Vorpommern hat sich sich der Goldesel also kurzerhand in eine Kuh verwandelt.

Doch auch wenn Rohstoffe aus dem Umkreis von 40 Kilometern angeliefert werden, muss man sich keineswegs Kolonnen von Jauchetransporteuren vorstellen. Selbst wenn der Park seinen Volllastbetrieb erreicht, sind durch eine optimierte Gesamtlogistik für alle Rohstoffe zusammen nur 40 Lkw-Lieferungen am Tag nötig. Der wichtigste Rohstoff ist aber der Mais. Kein gewöhnlicher Mais, sondern Energiemais, der kleinere Kolben hat und nicht gut schmecken muss, weil lediglich das Grünzeug zur Energiegewinnung gebraucht wird. 300.000 Tonnen davon werden jedes Jahr verwendet.

Das Biogas entsteht durch Vergärung in speziellen Silos, den Fermentern. Wenn man es dann reinigt und verbrennt, kann man durch Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Wärme erzeugen. Der Strom wird eingespeist und die Wärme genutzt, um Depotdünger zu produzieren. Die weltgrößte Biogas-Anlage befindet sich also keineswegs im Haus nebenan, sondern nahe der polnischen Grenze in Penkun.

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