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Wochenarchiv KW 30


2007
Juli
27
von Maertl, in Kategorie Etappenziele, Bayern, Allgemein

Ein Glück, der EcoRider war noch nicht in sämtliche Einzelteile zerlegt und verwertet als ich heute Morgen beim Wertstoffhof in Fürth ankam. Dort stand er nämlich über Nacht. Natürlich nicht ganz ohne Grund. Denn der Wertstoffhof liegt am Fuße des Solarberges Atzenhof, einer ehemaligen Mülldeponie, die im Jahr 2003 mit 5760 Solarmodulen bestückt wurde und die etwa 957.000 Kilowattstunden Strom im Jahr liefert. Das reicht für 250 Vierpersonenhaushalte. Oder dafür, mit dem EcoRider etwa 40 Millionen Kilometer weit zu kommen. Wenn man so viel Zeit hat (Fotos vom Besuch des Solarberges Atzenhof gibt es hier).

Fürth hat sich zur “Solarstadt” ernannt - und tut auch was dafür. Durch eine neue Anlage beim Golfpark (gleich unterhalb des Solarbergs) mit einer Leistung von einem Megawatt konnte Fürth wieder auf den dritten Platz der Solarbundesliga vorrücken. Immerhin fünf Megawatt Photovoltaik-Leistung sind bisher installiert. Trotzdem: Es gibt noch viel zu tun. Nach einer Rechnung von Gerdentisch wären 15 Prozent des Strombedarfs im Stadtgebiet durch Photovoltaikanlagen abdeckbar, im Moment sind es erst 0,8 Prozent. Mit der Ausrufung eines Solarpreises versucht die Stadt, die Nutzung der Sonnenergie attraktiver zu machen und ermöglicht es ihren Bürgern sogar, sich über einen Fonds an dem Projekt “Solarpark 1000 Jahre Fürth” zu beteiligen.

Zumindest in Sachen Photovoltaik ist es Fürth gelungen, den großen Nachbarn Nürnberg in den Schatten zu stellen. Nürnberg liegt in der Solarbundesliga nur auf dem 17. Platz. Aber immerhin hängt im Kassenhäuschen des Fürther Wertstoffhofs eine Club-Kappe (für Fußball-Ignoranten: mit “Club” ist der 1. FC Nürnberg gemeint). Und für die meisten ist die Fußballbundesliga eben immer noch die wichtigste Liga. Bis dem Fluchtlicht der Saft ausgeht.

2007
Juli
26
10:08 Uhr

Windjammer

Heute wird es heiß. Und der EcoRider hat keine Klimaanlage. Nur zwei kleine Ventilatoren, deren einzige Funktion die zuverlässige Leerung der Akkus ist. Dabei hätte ich doch zwei effektive Windmaschinen haben können, wenn der Hersteller sich rechtzeitig an das Mulfinger Unternehmen ebm-papst gewendet hätte.

Die stellen nämlich so energiesparende EC-Ventilatoren her, dass ich auch die wohl scherzhaft als “Hohenloher Ebene” betitelte Landschaft (eine Einheimische nannte meine Route “Buggelesstreck”) gut gekühlt und mit vollen Akkus überstanden hätte. Allerdings war es ja wie gesagt sogar so windig, dass ich mit eingebauten Windrädern sogar noch Energie hätte gewinnen können.

Die Vorteile der EC-Motoren sind offenkundig. Sie benötigen 30 Prozent weniger Energie als herkömmliche Motoren und erhitzen sich dabei auch viel weniger. Beim Einsatz an Kühltheken würde durch die Erhitzung von herkömmlichen Motoren noch zusätzliche Energie verloren gehen. In einem kleinen Supermarkt mit 40 Ventilatoren in den Kühltheken könnten durch die energiesparende EC-Technologie 3,4 MWh im Jahr gespart werden, wie ein Rechenbeispiel von ebm-papst besagt. Das entspräche einem Einsparpotenzial von 67 Prozent. Das Problem: Solche Ventilatoren sind erheblich teurer als andere - Kosten, die allerdings oft schon nach nicht einmal einem Jahr wieder drin sind (Fotos vom Besuch bei ebm-papst gibt es hier).

Na gut, so lange bin ich ja dann doch nicht unterwegs. Vielleicht habe ich deswegen keine solchen Ventilatoren. Aber wenn ich schon während der Fahrt keine Abkühlung bekommen kann, kann ich mich wenigstens für ein Stündchen ins Schwimmbad verdrücken, dachte ich mir gestern im unterfränkischen Abtswind. Nur: Wer denkt bei so einer Tour schon an eine Badehose? Dachte sich wohl auch der Bademeister und hatte Mitleid mit mir. Ausgestattet mit einem großen Handtuch und der persönlichen Badehose des Bademeisters, konnte ich mich so doch noch ins Wasser stürzen. Und feststellen: 22 Grad können ganz schön kalt sein.

2007
Juli
25
von Maertl, in Kategorie EcoRider, Baden-Württemberg, Bayern, Allgemein

Wenn das der Klimawandel ist, sollte jemand was tun. Schnell. Möglichst noch vor Ende meiner Tour. Gestern wurde ich nämlich förmlich von der Strecke geblasen, so stürmisch war es. Ein Glück, dass ich nicht nach Westen musste. Gegen den Wind hätte ich wohl nur die Hälfte der 82 Kilometer ins unterfränkische Rödelsee geschafft. Ich habe ja von jemandem gehört, der gestern darauf verzichtet hat, mit dem Auto von Mainz nach München zu fahren, weil es zu windig war. Mit dem Auto! Da kann man sich vorstellen, wie es mich im EcoRider durchgeschüttelt hat. Seit gestern darf man mich wohl offiziell “den Gegenlenker” nennen. Jedenfalls war diesmal wirklich über jedes der 200.000 Gramm, die ich durch die Gegend fahre, dankbar.

Angeblich wird der Klimawandel auch für Unternehmen immer wichtiger (Spötter würden sagen: prestigeträchtiger). Auf der sozialen Agenda der Unternehmen ist der Klimawandel vom 8. Platz im Jahr 2002 bis auf Rang vier vorgerückt. Behauptet zumindest eine Umfrage der RSM Erasmus University unter 200 großen europäischen Unternehmen. Auf Ökostrom ist deswegen trotzdem kaum ein Unternehmen umgestiegen. Öko klingt zwar gut, ist aber immer noch zu teuer, ist das häufigste Argument.

Dabei stimmt das inzwischen gar nicht mehr. Für viele Verbraucher lohnt sich der Umstieg, wie ein Preisvergleich der Berliner taz zeigt. Allerdings sind Einzelgänger im Nachteil. Während Singlehaushalte mit einem Ökostromtarif in neun Städten besser dastehen als mit dem Standardtarif des lokalen Stromanbieters, können Familien und WGs gleich in 14 Städten vom Wechsel profitieren. Damit hinter Ökostrom aber nicht gleichzeitig die vermeintlich umweltfreundliche Atomenergie steht, sollte man nur Anbietern vertrauen, die das Aktionsbündnis “Atomausstieg selber machen” empfiehlt, meint die taz. Im Moment sind das die Elektrizitätswerke Schönau, Naturstrom, Lichtblick und Greenpeace Energy. Deren Strom bekommt man in ganz Deutschland - garantiert atomstromfrei.

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