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Monatsarchiv 07 2007


2007
Juli
25
von Maertl, in Kategorie EcoRider, Baden-Württemberg, Bayern, Allgemein

Wenn das der Klimawandel ist, sollte jemand was tun. Schnell. Möglichst noch vor Ende meiner Tour. Gestern wurde ich nämlich förmlich von der Strecke geblasen, so stürmisch war es. Ein Glück, dass ich nicht nach Westen musste. Gegen den Wind hätte ich wohl nur die Hälfte der 82 Kilometer ins unterfränkische Rödelsee geschafft. Ich habe ja von jemandem gehört, der gestern darauf verzichtet hat, mit dem Auto von Mainz nach München zu fahren, weil es zu windig war. Mit dem Auto! Da kann man sich vorstellen, wie es mich im EcoRider durchgeschüttelt hat. Seit gestern darf man mich wohl offiziell “den Gegenlenker” nennen. Jedenfalls war diesmal wirklich über jedes der 200.000 Gramm, die ich durch die Gegend fahre, dankbar.

Angeblich wird der Klimawandel auch für Unternehmen immer wichtiger (Spötter würden sagen: prestigeträchtiger). Auf der sozialen Agenda der Unternehmen ist der Klimawandel vom 8. Platz im Jahr 2002 bis auf Rang vier vorgerückt. Behauptet zumindest eine Umfrage der RSM Erasmus University unter 200 großen europäischen Unternehmen. Auf Ökostrom ist deswegen trotzdem kaum ein Unternehmen umgestiegen. Öko klingt zwar gut, ist aber immer noch zu teuer, ist das häufigste Argument.

Dabei stimmt das inzwischen gar nicht mehr. Für viele Verbraucher lohnt sich der Umstieg, wie ein Preisvergleich der Berliner taz zeigt. Allerdings sind Einzelgänger im Nachteil. Während Singlehaushalte mit einem Ökostromtarif in neun Städten besser dastehen als mit dem Standardtarif des lokalen Stromanbieters, können Familien und WGs gleich in 14 Städten vom Wechsel profitieren. Damit hinter Ökostrom aber nicht gleichzeitig die vermeintlich umweltfreundliche Atomenergie steht, sollte man nur Anbietern vertrauen, die das Aktionsbündnis “Atomausstieg selber machen” empfiehlt, meint die taz. Im Moment sind das die Elektrizitätswerke Schönau, Naturstrom, Lichtblick und Greenpeace Energy. Deren Strom bekommt man in ganz Deutschland - garantiert atomstromfrei.

2007
Juli
24
von Maertl, in Kategorie Baden-Württemberg, Allgemein

Pkws haben eine jämmerliche Transportbilanz: Häufig kommen nur 0,2 Prozent der im Treibstoff enthaltenen Energie dem Antrieb zugute. Meine Transportbilanz sieht da schon besser aus. Ich würde sagen, mindestens 80 Prozent der in mir enthaltenen Energie kommen dem Antrieb des EcoRiders zugute. Gestern habe ich übrigens die 500 Kilometer-Marke überschritten. 2000 Kilometer werden es wohl schon werden bis Mitte September.

Getankt habe ich dafür nur Strom (etwa 2,2KWh/100km) und schwäbischen Zwiebelrostbraten. Das ist mein Biosprit. Wirklicher Biosprit ist nämlich gar nicht so umweltfreundlich wie viele denken. Das Getreide, das man für die Herstellung von 100 Litern Ethanol benötigt, könnte einen Menschen ein ganzes Jahr lang ernähren, wie die Zeitschrift natur+kosmos berichtet. Durch die enorme Nachfrage sind die Preise für Mais, Weizen und Soja gewaltig angestiegen. Die Folge: Milliarden von Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, können sich ihre Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten.

Freikaufen kann man sich nicht. Letztlich helfen nur sparsamere Autos und Verbraucher. Man muss nicht mit dem Jeep zum Supermarkt fahren, und kann für viele Stecken auch das Fahrrad benutzen. Einzige Einschränkung: Montags sind in Baden-Württemberg offenbar alle Tankstellen (sprich: Wirtshäuser) geschlossen…

2007
Juli
22
23:06 Uhr

Eco-Pin-Up

Das war der härteste Tag bisher. Im Sauerland waren zwar auch Berge, aber die meisten Straßen führten dazwischen hindurch. Hier gehen sie mitten hinauf. Ein paar hundert Höhenmeter habe ich heute sicher zurückgelegt. Gleich nach dem Start in Bad Mergentheim ging es gleich mal mehr als 100 Höhenmeter den Berg hoch.

Zur Erinnerung: Der EcoRider wurde in den Niederlanden gebaut. Die höchsten Erhebungen dort sind die Deiche. Trotzdem lassen sich Steigungen bis zu 10 Prozent angenehm bewältigen, wenn auch etwas langsamer. Wird es steiler, wird es eng. Denn: Mit Gepäck und meinem Körpergewicht wiegt der EcoRider an die 200 kg. Die eine Steigung von 18 Prozent hochzuwuchten ist kein Spaß. Auch mit Akkus. Das Vergnügen hatte ich heute. Naja, nach drei Kilometern war ich oben. Da fällt mir ein: Ich hätte vor der Tour meinen Oberschenkelumfang messen sollen.

Trotzdem war ich frohen Mutes. Schließlich hatte ich vorher schon göttlichen Beistand erlangt. In Rot kam mir nämlich eine ganze Schwadron von Kirchgängern entgegen, die ich nach dem Weg und dem Befinden fragte. Sogar eine Nonne war dabei. Da konnte nun wirklich nichts mehr schief gehen. Belohnt wurde ich damit, dass ich im schönen Kirchberg an der Jagst Quartier bezogen habe. Wo auch noch “Hofgaddefeschd” war (so sagte man mir).

Weil die Sonne heute doch mal scheinen durfte, konnte ich auch erste Kärtchen unters Volk bringen. Vor allem an neidische Radfahrer. Und an ein kleines Mädchen, dass von der EcoRider-Form des Kärtchens ganz begeistert war. Hoffentlich hat mein Gefährt jetzt einen Ehrenplatz an einer Pinnwand in Weckelweiler. Oder Amlishagen. Oder in einem anderen der niedlichen kleinen Dörfchen, die nur durch Kieswege miteinander verbunden sind.

Fotos vom Tage gibt es hier.

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