Juni
28
Von der Leine gelassen
Endlich unterwegs. Zwar nur im Heimstettener Gewerbegebiet, aber immerhin. Mit einer liebevoll für mich gezeichneten Skizze in der Hand navigiere ich zwischen den Lagerhallen umher. Auf langen Geraden und in scharfen Kurven teste ich, wo die Grenzen des Gefährts und meiner Reaktionsfähigkeit sind.
Dann steigt das Adrenalin. Eine RICHTIGE Straße. Vorsichtig taste ich mich an die Abzweigung heran. Mächtige Lkws rauschen vorbei. Jetzt wird es ernst. Gut umgeschaut, kurz Gas gegeben und los geht’s. Eigentlich gar nicht so schwer. Bis jetzt.
Doch da, ein monströser Lkw taucht im Seitenspiegel auf. Wird er mich platt machen, aus dem Weg rammen oder nur ganz schnöde schneiden? Weit gefehlt. In der Tat. Denn der Lkw überholt mich in großem Bogen. Ein entgegenkommender Lkw-Fahrer nickt mir sogar anerkennend zu. Grüß dich, Kollege!
So lässt sich’s aushalten. Links und rechts rauschen die Felder vorbei, vorne strahlt einen das Alpenpanorama an und neben mir bleiben die Fußgänger ungläubig stehen. Nur Hunde wissen nicht, wie sie mit dem komischen Gefährt umgehen sollen. Ein Heimstettener Kampfkläffer wird vom resoluten Frauchen mit einem kräftigen Ruck an der Leine in der Luft zurückgerissen und so vom Freitod abgehalten.
Apropos: Kieswege sollte ich in Zukunft meiden, das merke ich schnell. Und Schlaglöcher sind auch nicht unbedingt mit Höchstgeschwindigkeit zu nehmen. Doch die Entschädigung für den wunden Hintern folgt sofort: Kein Porsche-Fahrer findet so viel Beachtung, wenn er am Heimstettener See vorfährt, wie ich mit meinem giftgrünen Flitzer.


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